Die Fähre nach Vigo – ein Kurzurlaub auf See

In Galicien gibt es alltägliche Momente voller Schönheit in Fülle. Ein solcher ist die Überfahrt mit dem Boot von Moaña oder Cangas quer über die Ría direkt ins Zentrum von Vigo.

Wir erreichen beide Fähren von der Casa das Señoritas in 5 bzw. 10 Minuten mit dem Auto. In letzter Zeit laufen wir aber immer mehr. Dann beginnt die Entschleunigung schon an der Haustür, wenn wir in gut 20 Minuten durch San Martiño den Hügel hinunter zum Hafen laufen.

Die kleine Seereise dauert nicht länger als 15 Minuten und bietet doch immer unterschiedliche Erlebnisse und Stimmungen.

Ich versuche immer, ein paar Minuten früher zu kommen und die Stimmung des kleinen Hafens in mich aufzunehmen. Die geschäftigen Arbeiten an den Fischerbooten, Menschen, die auf den Rampen fischen …

… und zuzusehen, wie die Fähre langsam näher kommt …

Wenn das Wetter es erlaubt – die Ansichten darüber, was das heißt, gehen bei uns in der Familie auseinander, setze ich mich auf das Oberdeck.

Irgendwann lässt der Kapitän das Schiffshorn erschallen, das die Abfahrt anzeigt. Ich liebe es, wie er dann noch in Richtung der Straße schaut, die zum Hafen führt und wartet, bis eine Nachzüglerin, die die letzten 100 Meter spurtet, es doch noch aufs Boot geschafft hat. Schließlich ist die nächste Abfahrt erst in einer Stunde.

Mein Blick fällt auf den großen Knoblauchzopf, der am Schornstein festgemacht ist und die Überfahrenden schützen soll vor bösen Mächten. Ein Volk, wie das galicische, das seit Jahrtausenden von und mit dem Meer lebt, verfügt über eine ganze Kultur rund um die See, die Wohltäter ist und Ungetüm zugleich.

Unterwegs sehe ich an einigen Tagen Mannschaften des örtlichen Ruderklubs von Tirán beim Training zu …

im Hafen von Moaña

Ich beobachte die Arbeiter auf den Bateas, den Holzplattformen im Wasser, an denen die großartigen galicischen Miesmuscheln an langen Tauen heranwachsen …

An einer Batea

Nicht selten kreuzen auch Delfine unseren Weg. Oder wir sind Augenzeugen einer Segelregatta …

Bei der Ankunft in Vigo werden die Schiffe dann größer. An der Estación Marítima liegen im Sommer täglich Kreuzfahrtschiffe, einige beeindrucken durch ihre Größe …

… andere auch durch ihre Eleganz …

Wir gehen hinter der altehrwürdigen Estación Marítima an Land, die Millionen Gallegos in die Emigration hat gehen sehen…

Und tauchen ein in das urbane Leben von Vigo, der größten Stadt in Galicien, wo wir unsere Erledigungen machen und den Trubel genießen.

Und ich freue ich mich schon auf die Rückkehr am Abend, wenn ich wieder über die Bucht zurückkehren kann in die Ruhe in Moaña.

San Martiño

Die Casa das Señoritas, liegt in San Martiño, einem immer noch mittelalterlich geprägten, einstigen Bauerndorf, das den Ursprung der heutigen Kleinstadt Moaña darstellt.

Auf einem Hügel liegend bietet der Ort bei Spaziergängen herrliche Ausblicke auf die Bucht von Vigo, wie das Bild zum Beitrag zeigt.

Hauptsehenswürdigkeit ist die 800 Jahre alte, romanische Pfarkirche San Martiño, spektakulär gelegen auf einem Plateau …

… mit ihrem beeindruckenden Westportal, …

das in seinem Tympanon neben dem Namensgeber, dem heiligen Martin von Tours, lokale Würdenträger zeigt, die mit der Stiftung der Kirche in Verbindung stehen…

Faszinierend sind auch die vielen skulpierten Kragsteine, canecillos auf Spanisch, auf denen die Steinmetze mit viel Freiheit auch mittelalterliche Musiker und Akrobaten über die Jahrhunderte hinweg erlebbar machen …

Und warum nicht nach so viel visueller Schönheit etwas für das leibliche Wohl tun und auf ein Glas Wein oder ein paar Meeresfrüchte bei unserem Nachbarn Alex in seiner Taberna A Retoral vorbeischauen? Es lohnt sich.

Winterspaziergänge 3: von Ermelo zum Paralaia

Ermelo ist ein winziges Dorf, Luftlinie nur wenige Kilometer vom Meer entfernt und in 15 Minuten leicht mit dem Auto von der Casa das Señoritas zu erreichen. Und doch tritt man in eine andere Welt ein. Der Weiler mit seiner winzigen Jakobuskirche liegt auf einer Hochebene im geografischen Zentrum von Morrazo, umgeben von Feldern und Wäldern.

Am 25. Juli, dem Tag des heiligen Jakobus, wenn die romanische Kathedrale in Santiago de Compostela, Ziel der ganz Europa durchquerenden Jakobswege von Gläubigen und Touristen überrannt wird, findet auch hier eine lokale Wallfahrt statt. Seit Jahrhunderten pilgern die Einheimischen der verschiedenen Pfarreien von Morrazo nach Ermelo, beten zu den Heiligen und lassen sich anschließend in einer Carballeira, einem Eichenwald in der Nähe nieder, um gemeinsam zu feiern und zu essen.

Heute bin ich hier ganz allein, lasse das Auto unterhalb der Kirche stehen und wandere durch die Wiesen in Richtung Wald.

Campo de Ermelo

Die Februarluft ist erfrischend, in der Einsamkeit tritt der Trubel meines Alltags in Berlin in den Hintergrund. Im Wald werden die Wege steil. Ich gehe über uraltes Pflaster …

Corredoira im Wald bei Ermelo

… durch Corredoiras, Hohlwege, die im Laufe der Jahrhunderte von Ochsenkarren in den Wald eingegraben wurden…

Corredoira

… und gelange durch eine Carballeira, in der mich ein Baum mit seinem ganz besonderen Stamm überrascht…

… zum Gipfelkreuz des Paralaia, von wo der Wanderer eine atemberaubende Aussicht auf die Ría de Vigo hat.

Auf der anderen Seite der Bucht verschwimmt die Großstadt im Mittagsdunst. Aus der Entfernung verzaubern selbst die Halden der in der örtlichen Fabrik produzierten Citroëns, die im Hafen auf ihren Abtransport warten.

Welch ein Genuss, an einem solchen Ort die wärmende Mittagssonne zu genießen.

Auf dem Rückweg bleibt mein Blick immer wieder an den moosüberwucherten Granitfelsen hängen, die mit den Eichen eine einzigartige ästhetische Wirkung entfalten.

Strände auf Morrazo

Die Halbinsel Morrazo ist gesegnet mit Dutzenden von Stränden. Nach Süden fällt der Blick auf die urbane Ría de Vigo. Richtung Ende der Halbinsel findet man wildere Strände, die mehr vom Charakter des offenen Atlantiks geprägt sind. Im Nordwesten die kleine, geschützte Ría de Aldán mit großen, besonders kindergeeigneten Stränden und kleinen Traumbuchten, im Norden die Strände an der breiten Ría de Pontevedra.

Die Fotos geben einen kleinen Eindruck von der paradiesischen Vielfalt.

Moaña

Moaña ist eine Kleinstadt auf der Halbinsel Morrazo, direkt gegenüber der größten galicischen Stadt Vigo. Die historischen Anfänge des Ortes liegen auf einem Hügel rund um die Kirche San Martiño, in unmittelbarer Nähe der Casa das Señoritas.

Heute liegt das urbane Zentrum am Wasser. In den sechziger und siebziger Jahren entstand dort, wie in vielen galicischen Kleinstädten, ein ästhetisch anspruchsloses Sammelsurium funktionaler Bauten.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts blüht Moaña jedoch auf. Heute kann man kilometerlang am Wasser entlang laufen, Kinder finden große Spielplätze und Kletterskulpturen, Erwachsene eine Reihe günstiger Restaurants mit hervorragender Küche. Direkt im Ort befinden sich zwei gepflegte, kinderfreundliche Badestrände.

Es ist ein Genuss, in einem Ort zu Gast zu sein, der Ortsfremde sehr freundlich begrüßt, dabei aber immer seinen alltäglichen, unaufgeregten Rhythmus lebt.

Allgegenwärtig ist das Meer, wie die Fotos zeigen.

In der Fraga

Fraga ist die galicische Bezeichnung für einen der traditionellen atlantischen Misch-Laubwälder. Bedingt durch die massive Aufforstung des iberischen Nordwestens mit Eukalyptusbäumen zur Zellulose-Produktion seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt es heute nur noch wenige dieser Wälder.

Auf Morrazo hat sich oberhalb von Meira eine Fraga erhalten. Im oberen Teil führt entlang des Gebirgsbaches ein kleiner Pfad durch das teils enge Tal. Immer wieder geben natürliche Bassins im Bachbett die Möglichkeit für ein erfrischendes Bad.

Im Hochsommer ist ein Nachmittag in der Fraga und eine Dusche unter dem kleinen Wasserfall für uns Pflichtprogramm.