
Die Westküste Galiciens ist geprägt von den Rías Baixas, fünf langgestreckten Meeresbuchten, in die jeweils große Flüsse münden. Vor einigen Wochen war ich in Noia zu Besuch, das ganz am Ende der nördlichsten dieser Buchten liegt und vor der Versandung des Hafens als Hafen von Santiago de Compostela galt.
Ein paar Kilometer nördlich mündet der Tambre, nach dem Miño der zweitgrößte Fluss Galiciens, und bildet dabei ein Delta mit weiten, wattartigen, schilfbedeckten Feuchtgebieten.
Galicien mit seinen vielen Flüssen ist voller Jahrhunderte alter Brücken, an denen die Zeit still zu stehen scheint. Und heute ist eine solche unser Ziel.
Sobald wir von der breiten, neu ausgebauten Straße Richtung Muros abfahren, treten wir in die Vergangenheit ein. Die schmale Straße führt ein paar hundert Meter durch einen Eukalyptuswald. Rechts am Wegrand liegt umgeben von Eichenbäumen eine alte Wassermühle. Schließlich taucht am Straßenrand auf beiden Seiten eine Reihe schmucker Granithäuser auf, wo wir das Auto stehen lassen.
Wir kommen mit einer alten Frau ins Gespräch: Sie ist an der Stelle geboren, später viel gereist, ihre Tochter lebt in Amerika. Jetzt möchte sie aber nicht mehr, hofft, dass die jüngeren Generationen es zu ihr schaffen. Ob wir nicht ein paar von den Avocados möchten, die sie gerade im Garten geerntet hat. Sie seien noch hart, umwickelt in Zeitungspapier reifen sie aber schnell zur Essreife heran.
Wir nehmen dankend an und gehen die paar Schritte weiter zum Ponte Nafonso, der mächtigen, mittelalterlichen Brücke, die der leonesische König Alfons IX. gebaut haben soll. Die aktuelle Konstruktion ist wohl aus dem 14. Jahrhundert und überspannt den Tambre, der hier schon über 100 Meter breit ist, auf 17 Bögen.

Schon in der Antike gab es hier eine Straße die Küste entlang. Galicien, obgleich Finis Terrae, Ende der damals bekannten Welt, war wichtig für die Römer mit seinen Zinn- und Goldminen. Das Straßennetz vergleichsweise gut ausgebaut.
Welch eine Erleichterung es für die Reisenden gewesen sein muss, an dieser Stelle nicht mehr im Boot übersetzen zu müssen.
Flussaufwärts streift der Blick über weite Schilflandschaften.

Flussabwärts fällt die abfallende Mole ins Auge, von der die Fähre früher übersetzte.

Nichts deutet darauf hin, dass der Tambre nur wenige hundert Meter weiter ins Meer mündet.
Ponte Nafonso – einer von hunderten spektakulär unspektakulärer Orte in Galicien, die mich mit ihrer einzigartigen Stimmung erfreuen.













































































