Im Tal des Eume

Am Eume war ich das erste Mal Anfang der neunziger Jahre, in meiner Zeit als Erasmus-Student an der Universität von Santiago de Compostela. Damals nutzte ich die Wochenenden, um mit meinem kleinen, roten Renault 5 das mir völlig unbekannte Umland von Santiago zu erkunden.

Galicien war zu der Zeit touristisch noch kaum erschlossen und Google Maps Science Fiction. Ich hatte mir eine regionale Landkarte gekauft und ließ mich bei meinen Entdeckungsfahrten von den geographischen Gegebenheiten sowie eher allgemein gehaltenen Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten leiten.

An jenem Tag war ich bereits auf der Rückfahrt von den Stränden nördlich von Ferrol …

… als mich auf der Karte das Symbol für eine Kirchenruine neugierig machte. Spontan bog ich von der Nationalstraße ab und folgte einem immer holpriger werdenden, mich zunehmend nervöser machenden Waldweg, der hinter einer Biegung plötzlich den Blick auf das Tal freigab. Im Licht der Nachmittagsonne sah ich in der Ferne auf einem Plateau das gesuchte Gemäuer: San Xoán de Caaveiro, die Ruine eines im 10. Jahrhundert gegründeten Benediktinerklosters. Welch ein Anblick.

Seit dem ersten Mal bin ich oft zum Eume zurückgekehrt. Erst später erfuhr ich, dass das schluchtartige Tal eine botanische Besonderheit birgt: Die Fraga do Eume ist einer der letzten erhaltenen Urwälder des atlantischen Europa.

Der Weg in diese einzigartige Naturlandschaft ist heute ölwannensicher: Der einfachste Zugang erfolgt von der Stadt Pontedeume aus. Nach einigen Kilometern lässt man das Auto an einem Rangerposten stehen. Von dort geht es weiter den Fluss entlang mit dem Fahrrad oder einem Minibus, der die Besucher*innen bis zur Klosterruine bringt.

Eine Wanderung in der Fraga, mit ihren Maronen, Eichen, Birken sowie unzähligen Moosen und Farnen ist ein ganz besonderes Galicienerlebnis.

Autor: Adrian Bröking

Familienvater, Lehrer und Student der Achtsamkeit

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