Winterspaziergänge 4: An der Costa da Vela

Die Costa da Vela ist eine schroffe, von granitenen Bergen geprägte Steilküste, die die Halbinsel Morrazo nach Westen in Richtung Atlantik begrenzt. Sie reicht vom Cabo Home, dem Kap, das den nördlichen Eingang zur Bucht von Vigo markiert, bis zur Punta Couso, der südlichen Grenze der kleinen Ría de Aldán.

Der Leuchtturm von Cabo Home

Velar bedeutet im Spanischen Wache halten. In der heutigen Sprache ist die Bedeutung meines Wissens nach auf die Totenwache begrenzt. In dieser Ortsbezeichnung weist der Name aber auf die strategischen Ausgucke entlang der Küste hin, von denen aus die Bevölkerung in den Dörfern an der Bucht in alten Zeiten den Atlantik im Blick behielt, um früh vor herannahenden Piraten oder feindlichen Soldaten gewarnt zu sein.

Die Costa da Vela ist zu jeder Jahreszeit wunderschön. Im Sommer herrscht reger Betrieb auf dem Parkplatz an der Caracola, …

Lito Portelas Skulptur CARACOLA

… der Skulptur einer Meeresschnecke aus Edelstahl des lokalen Bildhauers Lito Portela, von der aus sich wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten lassen.

Solpor (galicisch für Sonnenuntergang) an der Costa da Vela

Von hier aus erklimmt man auch in einer knappen halben Stunde den Monte Facho, auf dem vor Jahren ein antikes Sonnenheiligtum ausgegraben wurde. (Hier finden Sie Näheres dazu in einem eigenen Blogeintrag.)

Heute gehen wir Richtung Süden, immer die Steilküste entlang, bis zum Leuchtturm am Cabo Home, dem Kap des Menschen.

Tief unter uns peitschen große Brecher an die Felsen. Der Wind bläst uns um die Ohren, unsere Augen genießen die frischen, winterlichen Farben und den weiten Horizont.

Diesen fantastischen Ort erreichen sie nach einer kurzen, 20-minütigen Autofahrt von der Casa das Señoritas.

Pindo

Monte Facho

Galicien ist wunderschön. Und doch gibt es auch hier Orte, die herausragen. Der Monte Facho im extremen Westen der Halbinsel Morrazo gehört für mich unbedingt dazu. Sie erreichen ihn von der Casa das Señoritas in einer knappen halben Stunde mit dem Auto.

Facho ist ein altes galicisches Wort, das mit dem deutschen Fackel verwandt ist. Der Monte Facho, der Berg des Leuchtfeuers, wacht über den Meereskanal zwischen Cabo Home und den Cíes-Inseln, der Zugang zur Bucht von Vigo gewährt.

Wir lassen das Auto am Aussichtspunkt der Caracola, der inspirierenden Edelstahlskulptur des lokalen Künstlers Lito Portela stehen…

A Caracola (Lito Portela)

… laufen bergan und nehmen nach wenigen hundert Metern links einen kleinen Pfad, der vor Jahrhunderten mit Steinen gepflastert wurde. An einer Steineiche verlassen wir den Weg und beginnen linkerhand den leichten Aufstieg auf den Berg

Oben erwartet uns ein Felsplateau mit einem spektakulären 360 Grad Blick auf das offene Meer, die vorgelagerten Inseln Cíes und Ons sowie die Bucht von Vigo.

Der Berg ist ein Naturjuwel, aber auch kulturhistorisch außergewöhnlich. Das kleine granitene Rundhaus auf der Spitze mit seiner charakteristischen Kuppel stammt aus dem 17. Jahrhundert und war ein Aussichtspunkt, von dem aus herannahende Gefahren für die Bewohner der Bucht von Vigo erspäht und an andere Beobachtungsorte weiter im Landesinneren gemeldet wurden.

Vor einigen Jahren begannen archäologische Ausgrabungen auf dem Monte Facho und legten die Reste eines Castros , einer bronzezeitlichen Siedlung, sowie eines Sonnenheiligtums frei. Dieses war wohl seit dem 5. Jahrhundert vor Christi Ziel von Pilgerfahrten und bis in die Römerzeit hinein von Bedeutung, wie die vielen gefundenen Votivaltäre zeigen.

Der Monte Facho ist ein magischer Ort zu jeder Tageszeit. Bei einbrechender Dunkelheit sieht man von oben die Lichter von sieben Leuchttürmen, auf dem Festland und den Inseln vor der Küste. Und nach dem Abstieg lädt Lito Portelas Skulptur zu Fotospielereien mit den eigenen Töchtern in der untergehenden Sonne ein.