Ermelo ist ein winziges Dorf, Luftlinie nur wenige Kilometer vom Meer entfernt und in 15 Minuten leicht mit dem Auto von der Casa das Señoritas zu erreichen. Und doch tritt man in eine andere Welt ein. Der Weiler mit seiner winzigen Jakobuskirche liegt auf einer Hochebene im geografischen Zentrum von Morrazo, umgeben von Feldern und Wäldern.

Am 25. Juli, dem Tag des heiligen Jakobus, wenn die romanische Kathedrale in Santiago de Compostela, Ziel der ganz Europa durchquerenden Jakobswege von Gläubigen und Touristen überrannt wird, findet auch hier eine lokale Wallfahrt statt. Seit Jahrhunderten pilgern die Einheimischen der verschiedenen Pfarreien von Morrazo nach Ermelo, beten zu den Heiligen und lassen sich anschließend in einer Carballeira, einem Eichenwald in der Nähe nieder, um gemeinsam zu feiern und zu essen.
Heute bin ich hier ganz allein, lasse das Auto unterhalb der Kirche stehen und wandere durch die Wiesen in Richtung Wald.

Die Februarluft ist erfrischend, in der Einsamkeit tritt der Trubel meines Alltags in Berlin in den Hintergrund. Im Wald werden die Wege steil. Ich gehe über uraltes Pflaster …

… durch Corredoiras, Hohlwege, die im Laufe der Jahrhunderte von Ochsenkarren in den Wald eingegraben wurden…

… und gelange durch eine Carballeira, in der mich ein Baum mit seinem ganz besonderen Stamm überrascht…


… zum Gipfelkreuz des Paralaia, von wo der Wanderer eine atemberaubende Aussicht auf die Ría de Vigo hat.


Auf der anderen Seite der Bucht verschwimmt die Großstadt im Mittagsdunst. Aus der Entfernung verzaubern selbst die Halden der in der örtlichen Fabrik produzierten Citroëns, die im Hafen auf ihren Abtransport warten.
Welch ein Genuss, an einem solchen Ort die wärmende Mittagssonne zu genießen.

Auf dem Rückweg bleibt mein Blick immer wieder an den moosüberwucherten Granitfelsen hängen, die mit den Eichen eine einzigartige ästhetische Wirkung entfalten.




















