San Martiño

Die Casa das Señoritas, liegt in San Martiño, einem immer noch mittelalterlich geprägten, einstigen Bauerndorf, das den Ursprung der heutigen Kleinstadt Moaña darstellt.

Auf einem Hügel liegend bietet der Ort bei Spaziergängen herrliche Ausblicke auf die Bucht von Vigo, wie das Bild zum Beitrag zeigt.

Hauptsehenswürdigkeit ist die 800 Jahre alte, romanische Pfarkirche San Martiño, spektakulär gelegen auf einem Plateau …

… mit ihrem beeindruckenden Westportal, …

das in seinem Tympanon neben dem Namensgeber, dem heiligen Martin von Tours, lokale Würdenträger zeigt, die mit der Stiftung der Kirche in Verbindung stehen…

Faszinierend sind auch die vielen skulpierten Kragsteine, canecillos auf Spanisch, auf denen die Steinmetze mit viel Freiheit auch mittelalterliche Musiker und Akrobaten über die Jahrhunderte hinweg erlebbar machen …

Und warum nicht nach so viel visueller Schönheit etwas für das leibliche Wohl tun und auf ein Glas Wein oder ein paar Meeresfrüchte bei unserem Nachbarn Alex in seiner Taberna A Retoral vorbeischauen? Es lohnt sich.

Winterspaziergänge 4: An der Costa da Vela

Die Costa da Vela ist eine schroffe, von granitenen Bergen geprägte Steilküste, die die Halbinsel Morrazo nach Westen in Richtung Atlantik begrenzt. Sie reicht vom Cabo Home, dem Kap, das den nördlichen Eingang zur Bucht von Vigo markiert, bis zur Punta Couso, der südlichen Grenze der kleinen Ría de Aldán.

Der Leuchtturm von Cabo Home

Velar bedeutet im Spanischen Wache halten. In der heutigen Sprache ist die Bedeutung meines Wissens nach auf die Totenwache begrenzt. In dieser Ortsbezeichnung weist der Name aber auf die strategischen Ausgucke entlang der Küste hin, von denen aus die Bevölkerung in den Dörfern an der Bucht in alten Zeiten den Atlantik im Blick behielt, um früh vor herannahenden Piraten oder feindlichen Soldaten gewarnt zu sein.

Die Costa da Vela ist zu jeder Jahreszeit wunderschön. Im Sommer herrscht reger Betrieb auf dem Parkplatz an der Caracola, …

Lito Portelas Skulptur CARACOLA

… der Skulptur einer Meeresschnecke aus Edelstahl des lokalen Bildhauers Lito Portela, von der aus sich wunderschöne Sonnenuntergänge beobachten lassen.

Solpor (galicisch für Sonnenuntergang) an der Costa da Vela

Von hier aus erklimmt man auch in einer knappen halben Stunde den Monte Facho, auf dem vor Jahren ein antikes Sonnenheiligtum ausgegraben wurde. (Hier finden Sie Näheres dazu in einem eigenen Blogeintrag.)

Heute gehen wir Richtung Süden, immer die Steilküste entlang, bis zum Leuchtturm am Cabo Home, dem Kap des Menschen.

Tief unter uns peitschen große Brecher an die Felsen. Der Wind bläst uns um die Ohren, unsere Augen genießen die frischen, winterlichen Farben und den weiten Horizont.

Diesen fantastischen Ort erreichen sie nach einer kurzen, 20-minütigen Autofahrt von der Casa das Señoritas.

Pindo

Winterspaziergänge 3: von Ermelo zum Paralaia

Ermelo ist ein winziges Dorf, Luftlinie nur wenige Kilometer vom Meer entfernt und in 15 Minuten leicht mit dem Auto von der Casa das Señoritas zu erreichen. Und doch tritt man in eine andere Welt ein. Der Weiler mit seiner winzigen Jakobuskirche liegt auf einer Hochebene im geografischen Zentrum von Morrazo, umgeben von Feldern und Wäldern.

Am 25. Juli, dem Tag des heiligen Jakobus, wenn die romanische Kathedrale in Santiago de Compostela, Ziel der ganz Europa durchquerenden Jakobswege von Gläubigen und Touristen überrannt wird, findet auch hier eine lokale Wallfahrt statt. Seit Jahrhunderten pilgern die Einheimischen der verschiedenen Pfarreien von Morrazo nach Ermelo, beten zu den Heiligen und lassen sich anschließend in einer Carballeira, einem Eichenwald in der Nähe nieder, um gemeinsam zu feiern und zu essen.

Heute bin ich hier ganz allein, lasse das Auto unterhalb der Kirche stehen und wandere durch die Wiesen in Richtung Wald.

Campo de Ermelo

Die Februarluft ist erfrischend, in der Einsamkeit tritt der Trubel meines Alltags in Berlin in den Hintergrund. Im Wald werden die Wege steil. Ich gehe über uraltes Pflaster …

Corredoira im Wald bei Ermelo

… durch Corredoiras, Hohlwege, die im Laufe der Jahrhunderte von Ochsenkarren in den Wald eingegraben wurden…

Corredoira

… und gelange durch eine Carballeira, in der mich ein Baum mit seinem ganz besonderen Stamm überrascht…

… zum Gipfelkreuz des Paralaia, von wo der Wanderer eine atemberaubende Aussicht auf die Ría de Vigo hat.

Auf der anderen Seite der Bucht verschwimmt die Großstadt im Mittagsdunst. Aus der Entfernung verzaubern selbst die Halden der in der örtlichen Fabrik produzierten Citroëns, die im Hafen auf ihren Abtransport warten.

Welch ein Genuss, an einem solchen Ort die wärmende Mittagssonne zu genießen.

Auf dem Rückweg bleibt mein Blick immer wieder an den moosüberwucherten Granitfelsen hängen, die mit den Eichen eine einzigartige ästhetische Wirkung entfalten.

Winterspaziergänge 2: Punta Balea

Punta Balea ist Galicisch und heißt auf Deutsch in etwa „Kap der Wale“. Es handelt sich um einen Küstenabschnitt westlich der historischen Hafenstadt Cangas auf der Halbinsel Morrazo. Von der Casa das Señoritas aus erreichen Sie diesen Ort in 15 Minuten mit dem Auto.

In einem früheren Blogeintrag habe ich bereits über die ehemals größte Sardinenkonservenfabrik Europa der katalanischstämmigen Unternehmerfamilie Massó geschrieben, eine Industriekathedrale im reinsten Art Deco, die noch im erbärmlich ruinierten Zustand heute viel Faszination ausstrahlt.

Turm der Konservenfabrik Massó

Direkt hinter der Fabrikruine liegt Punta Balea, wo die Walfangeinrichtungen des Unternehmens angesiedelt waren. Die Einwohner von Cangas genießen dort heute Spaziergänge inmitten eines einzigartig morbiden Mixes aus Industrieruinen, teilweise eingestürzten Molen, Felsenküsten und dazwischen liegenden kleinen Stränden.

Gestern waren wir mit Freunden dort, um die frische Luft und die Abendsonne zu genießen. Auf der Kaimauer vor der Fabrik herrscht meditative Anglerruhe.

Doch Punta Balea bietet nicht immer ein solches Bild des Friedens. Vor wenigen Tagen fegte ein Sturm über die Bucht von Vigo hinweg, der fünf Bateas losriss; Bateas sind die eigentümlichen Holzplattformen, unter denen an Tauen Miesmuscheln im nährstoffreichen, klaren Wasser der Ría heranwachsen.

Wir kommen an einer Stelle vorbei, an der die riesigen Schwimmer einer zerstörten Batea auf die Felsen gespült wurden.

Doch heute herrscht Ruhe.

Menschen zeigen aufs Wasser, wo Delfine die Küste entlang schwimmen, ein Boot der Wasserschutzpolizei kontrolliert die Sicherheit der Bateas, die den Sturm überstanden haben und wir lassen uns die Gesichter von der Abendsonne wärmen.

Winterspaziergänge 1: Cabo Udra

Welch ein Privileg: Ein Spaziergang mit Freunden an einem sonnigen Winternachmittag am Cabo Udra, dem nördlichsten Punkt der Halbinsel Morrazo, ca. 15 Minuten mit dem Auto von der Casa das Señoritas.

Die nach Salz, Lorbeer und Kiefern duftende Luft streichelt die Lungen, die Nachmittagssonne wärmt schon ein wenig die Wangen, der Blick schweift zum Horizont, die Augen entspannen und die Gedanken kommen zur Ruhe.

Geht es noch schöner? Vielleicht, wenn man die Aussicht hat, nach Sonnenuntergang zurück nach Hause zu kommen und vor dem Kamin ein Glas galicischen Mencía zu genießen.

Life‘s good.

Massó

Massó: Ein katalanischer Familienname, der Teil der Wirtschaftsgeschichte Galiciens ist. Im 19. Jahrhundert kamen katalanische und baskische Familien in den Nordwesten Spaniens und bauten die fischverarbeitende Industrie auf. Am Ortsrand von Cangas, 10 Minuten im Auto von der Casa das Señoritas, hat sich ein Wirtschaftsareal erhalten, das einst die größte Fischkonservenmanufaktur Europas darstellte und über 2000 Menschen Arbeit gab, bis Mitte der 90er Jahre das Ende kam.

Die Ruine zeugt von der einstigen Bedeutung des Unternehmens – und vom ästhetischen Anspruch ihrer Besitzer.

Zu Beginn des 21. Jahrhundert, mitten im Immobilien-Boom, der Spanien in einen irrwitzigen Entwicklungswahn trieb, existierten Pläne, das 150.000 qm große Gelände unter Federführung des britischen Architekten Norman Foster zu urbanisieren, in der damals typischen, gewinnverheißenden Mischung aus Einkaufszentrum, Jachthafen und Luxuswohnungen.

Der massive, teils auch physische Widerstand der Bevölkerung von Cangas gegen das Projekt verzögerten die Realisierung über Jahre, bis die Spekulationsblase in Spanien und der Welt platzte und Spanien in eine wirtschaftliche und soziale Krise stürzte, von der sich das Land bis heute nicht erholt hat.

Seitdem dämmert Massó im Dornröschen-Schlaf. Die Ruine ist gesichert und seit einigen Jahren wurde ein Weg angelegt, der Spaziergänger die Möglichkeit gibt, vom Ortszentrum von Cangas aus das Werksgelände zu erkunden und dann weiter die Küste entlang zu laufen.

Ein herrlicher Ort mit morbid-maritimem Charme.

Strände auf Morrazo

Die Halbinsel Morrazo ist gesegnet mit Dutzenden von Stränden. Nach Süden fällt der Blick auf die urbane Ría de Vigo. Richtung Ende der Halbinsel findet man wildere Strände, die mehr vom Charakter des offenen Atlantiks geprägt sind. Im Nordwesten die kleine, geschützte Ría de Aldán mit großen, besonders kindergeeigneten Stränden und kleinen Traumbuchten, im Norden die Strände an der breiten Ría de Pontevedra.

Die Fotos geben einen kleinen Eindruck von der paradiesischen Vielfalt.

Moaña

Moaña ist eine Kleinstadt auf der Halbinsel Morrazo, direkt gegenüber der größten galicischen Stadt Vigo. Die historischen Anfänge des Ortes liegen auf einem Hügel rund um die Kirche San Martiño, in unmittelbarer Nähe der Casa das Señoritas.

Heute liegt das urbane Zentrum am Wasser. In den sechziger und siebziger Jahren entstand dort, wie in vielen galicischen Kleinstädten, ein ästhetisch anspruchsloses Sammelsurium funktionaler Bauten.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts blüht Moaña jedoch auf. Heute kann man kilometerlang am Wasser entlang laufen, Kinder finden große Spielplätze und Kletterskulpturen, Erwachsene eine Reihe günstiger Restaurants mit hervorragender Küche. Direkt im Ort befinden sich zwei gepflegte, kinderfreundliche Badestrände.

Es ist ein Genuss, in einem Ort zu Gast zu sein, der Ortsfremde sehr freundlich begrüßt, dabei aber immer seinen alltäglichen, unaufgeregten Rhythmus lebt.

Allgegenwärtig ist das Meer, wie die Fotos zeigen.

Wildpferde im Morgengrauen

Von der Casa das Señoritas sind es 20 Minuten im Auto auf den höchsten Berg der Halbinsel Morrazo, den Monte de Faro Domaio. Im vergangenen Sommer lud ich meine Töchter ein, von dort aus mit mir den Sonnenaufgang zu beobachten.

Wie spektakulär, der Blick auf die Ría de Vigo, die Farben der größten Stadt Galiciens, klar gewaschen im ersten Morgenlicht. Davor das Blau des Wassers und darin wie kleine Tupfer die Bateas, an denen die vielleicht besten Miesmuscheln der Welt heranwachsen.

Die Kinder hatten eine Freundin mit eingeladen und aus dem morgendlichen Ausflug ein Picknick-Event gemacht. Und während wir Brot und Kaffee genossen, erklang in der Ferne eine Glocke, kurz darauf ein Wiehern und eine Herde galicischer Wildpferde zog, gemütlich grasend direkt an uns vorbei.

Galicische Magie im Alltag.

Pindo